Sybille Bauer-Zierfuß


Eröffnung: 15.09.2025, 18.00 Uhr
Galerie WHA, Domgasse 1, 4020 Linz
Ausstellung bis 26.09.2025

Ausstellungsansichten (Fotos: Violetta Wakolbinger)

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Einführung in die Ausstellung von Gitti Vasicek, Vizerektorin Kunstuniversität Linz

 Liebe Gäste, liebe Freundinnen und Freunde der Kunst,

die Arbeiten von Sybille Bauer-Zierfuß zeigen, wie nah Verletzlichkeit und Widerstand beieinander liegen. Sie beginnen im Intimen, aber sie bleiben nicht privat. Vielmehr öffnen sie den Blick auf Strukturen, auf Normen und Machtverhältnisse, die unser aller Leben prägen.

Es sind keine harmlosen Erzählungen.
Sie sind präzise, unbequem und notwendig.
Sie machen erfahrbar, dass das Persönliche immer politisch ist und dass jede Geschichte zugleich eine Frage nach Zugehörigkeit, nach Sichtbarkeit, nach Gerechtigkeit aufwirft.

 Sybille Bauer-Zierfuß ist Filmemacherin, Philosophin, Künstlerin.
Ihre Arbeiten bewegen sich an den Schnittstellen von Tagebuch und Theorie, von Körper und Gesellschaft. Schon während ihres Studiums hier war spürbar: Diese künstlerische Sprache sucht nicht das Gefällige.
Sie will nicht beruhigen, sondern irritieren, konfrontieren, präzisieren.
Sie besteht darauf, dass Kunst nicht Dekoration ist, sondern Analyse – ein Werkzeug, ein Störsignal, ein Resonanzraum für Veränderung.

Und diese Haltung zeigt sich nicht nur in den Themen, sondern auch im Umgang mit dem Material. Sybille Bauer-Zierfuß arbeitet nicht nur digital oder analog im klassischen Sinn.
Sie entwickelt auch Filmobjekte. Filmstreifen werden bearbeitet, verwandelt, weitergeführt – nicht als technische Entwicklung, sondern als Transformation in eine neue künstlerische Form.

Auch hier bleibt die Intimität spürbar, nicht als private Geschichte, sondern als Materialität. Kratzer, Überlagerungen, Einschreibungen: Sie sind wie Spuren eines Körpers, die sichtbar machen, dass Film nicht nur Bilder transportiert, sondern selbst Geschichte trägt.
Damit dehnt Sybille den Filmbegriff aus: vom bewegten Bild hin zu Objekten, die uns auffordern, anders zu sehen und anders zu lesen.

Die künstlerische Arbeit von Sybille Bauer-Zierfuß steht in der Tradition feministischer Kunst, die sich weigert, bequem zu sein. Sie fordert heraus, sie widerspricht, sie lässt nicht los. Und sie stellt die entscheidenden Fragen
Wer darf sprechen?
Wer wird gehört?
Wer bleibt unsichtbar?

Diese Ausstellung ist wichtig:
Weil sie Machtverhältnisse sichtbar macht.
Weil sie Verletzlichkeit als Stärke begreift.
Weil sie patriarchale und ableistische Strukturen ins Wanken bringt.
Weil sie Räume eröffnet, in denen Differenz nicht als Defizit, sondern als Möglichkeit verstanden wird.
Weil sie uns daran erinnert, dass Feminismus nicht abstrakt ist, sondern mitten im Alltag beginnt – im Erzählen, im Archivieren, im Sichtbar Machen.

Diese Ausstellung ist kein Raum zum bloßen Anschauen. Sie ist ein Raum, der uns auffordert, mitzudenken, uns einzumischen, Haltung zu zeigen.Kunst wie diese fragt nicht nach Zustimmung, sondern nach Veränderung.
Und sie erinnert uns daran: Widerstand beginnt im Sichtbar Machen.

Vielen Dank.